Sunday, December 6, 2009
Geld verdienen mit der Chiemgau-Impact-Mania
Unter diesen 12 Orten befindet sich auch der Tüttensee, von wo auch angeblich das angebotene 'chunk of disturbed rock' stammen soll. Vielleicht besteht bei Jemandem noch Bedarf, seine Vitrine durch dieses wunderschöne Exemplar zu bereichern? Die Auktion läuft noch 3 Tage und 14 Stunden. Ein schönes Beispiel wie sich die Chiemgau-Impact-Mania auch noch zu Geld machen läßt.
Thursday, November 26, 2009
Alles ruhig über'm Moor
Glücklicherweise legt Schmeidl (1977) in den Erläuterungen des 1:25000 Kartenblatts Traunstein eine schöne Zusammenfassung einiger Untersuchungen an Moorprofilen rund um den Chiemsee vor. Besonders interessant sind hierbei zwei Profile aus den südlichen Chiemseemooren. Beide Profile umfassen zwischen etwa 5 und 7 Meter Moor und reichen einige Tausend Jahre in die Vergangenheit zurück. Daneben sind in dieser Arbeit Profile aus dem Schwarzelmoos bei Chieming und aus den Gramsen bei Hirschau beschrieben.
Um es gleich vorwegzunehmen: Nein, hier sind keine Regmaglypten ins Moor gefallen und es ist auch keine Brekzien-, Aschenlagen etc. dokumentiert. Vielmehr zeichnen sich diese Profile durch die Abwesenheit von sedimentologischen Auffälligkeiten aus.
Die Moorprofile aus dem Schwarzelmoos und den Gramsen sind in den jüngeren Bereichen leider nicht gut datiert und weisen dort weniger gut erhaltene oder stark flüssige Bereiche auf. Beide zeigen keinerlei ungewöhnlichen Einlagerungen.
Profil I (Abb. links) aus den südlichen Chiemseemooren zeigt im oberen Bereich etwa 2,8 Meter ungestörten Torf, erst dann macht sich eine Aschenlage bemerkbar. In diesem oberen Bereich liegen zwei C14 Datierungen vor. Eine bei etwa 60 cm, die ein Alter von etwa 756 n. Chr. ergab eine weitere Datierung bei ca. 1,8m lag schon bei etwa 2844 v. Chr.
Profil II (Abb. rechts) der südlichen Chiemseemoore bietet ein besonders interessantes Detail. Es umfasst nämlich die Reste eines Bohlenweges bei etwa 1,5 m Tiefe. Dieser Bohlenweg wurde auf etwa 630 v.Chr datiert. Er ist somit genau in dem Zeitraum, in dem CIRT den Zeitpunkt der kosmischen Katastrophe postulieren, entstanden. Oberhalb des Bohlenwegs finden sich ungestörter Torf und auch unterhalb der Bohlen finden sich keinerlei Auffälligkeiten. Erst bei etwa 3 Metern finden sich dann ein paar Toneinschwemmungen.Besonders die letzten beiden Profile zeigen deutlich, dass genau in dem vom CIRT vermuteten Zeitabschnitt im Chiemsee keinerlei ungewöhnliche Ereignisse stattgefunden haben. Das Katastrophenszenario, das einen Einschlag im Chiemsee sowie einen dadurch ausgelösten Tsunami einschließt, entbehrt ganz offenbar jeder Grundlage. Es ist völlig ausgeschlossen, dass derartige Ereignisse in den Mooren der unmittelbaren Umgebung keinerlei Spuren hinterlassen haben. Über den Chiemseemooren jedenfalls herrschte Ruhe zu dieser Zeit.
Schmeidl (1977). Pollenanalytische Untersuchungen im Gebiet des ehemaligen Chiemseegletschers. Erläut. z. Geol. Karte v. Bayern 1:25000, Bl. 8140, Prien a. Chiemsee u. Bl. 8141, Traunstein: 239 - 264.
Monday, November 16, 2009
Ecken und Kanten der Magnetometrie
Ein Beispiel hierfür sind die Interpretationen der geomagnetischen Untersuchungen beider Arbeiten. Fehr et al (2005) etwa stellen in ihrer Arbeit im wesentlichen Ergebnisse geophysikalischer Messungen an zwei auffälligen trichterartigen Strukturen vor, den so genannten 'Kratern' 2 und 3. In beiden weisen sie gut erkennbare magnetische Anomalien nach. Nun erkennen die Autoren in den Messungen an Nummer 2 eine quadratische Form und schließen daher folgerichtig auf eine archäologischen Struktur im Untergrund. Dagegen diskutieren sie den Befund einer zentralen Anomalie in Nummer 3 recht ausführlich in Richtung extraterrestrischer Ursache.
Für letzere Messungen legen Fehr und Kollegen als Beleg auch eine graphische Darstellung der Ergebnisse vor (Fig 7, Seite 192). Allerdings, wenn man sich den Kreis in der Abbildung wegdenkt, kann man auch ebenso gut eine kantige, rechteckige Struktur erkennen. Dies wird deutlich, wenn man die dunklen Bereiche im weißen Kreis betrachtet. Zur Orientierung eine Skizze, der Kreis entspricht dem der Abbildung von Fehr et al., die sich hier befindet.
Auch die Arbeit von Rösler enthält eine Darstellung (Abb. 6) magnetischer Messungen. Hier sehen die Autoren magnetische Anomalien im Wallbereich der untersuchten Struktur. Ich meine, auch hier kann man sogar noch deutlicher als in der Arbeit von Fehr et al. einen rechteckigen Umriß erkennen. Interessanterweise in fast perfekter N-S Ausrichtung. Auch hierzu eine Skizze, die verdeutlichen soll, was ich meine. Auch hier entspricht der Kreis dem der Originalabbildung, die man hier findet.
Beide Arbeiten führen verschiedene Gründe an, warum die untersuchten Strukturen nicht Resultat menschlichen Wirkens sein können. Ich werde darauf an anderer Stelle noch eingehen. Fehr, et. al. wagen sogar den Spagat, die von ihnen selbst belegten archäologischen Strukturen als Sekundärnutzung der kraterähnlichen Eintiefungen zu werten.
Aber auch über meine Sicht auf die Abbildungen von Fehr und Rösler et al. kann man natürlich streiten. Selbst wenn ich mit meiner Einschätzung komplett daneben liege, hoffe ich aber gezeigt zu haben, wie vorsichtig man mit solchen Analysemethoden sein sollte.
Übrigens, wenn man länger auf die Abbildung von Fehr et. al schaut, erkennt man deutlich ein Gesicht ... eine Botschaft? ;))
Zitierte Literatur:
Rösler W, Patzelt A., Hoffmann V., Raeymaekers B. (2006). Characterisation of a small crater-like structure in SE Bavaria, Germany. Proceedings of the First International Conference on Impact Cratering in the Solar System. pp 67-71
Fehr, K. T., Pohl, J., Mayer, W., Hochleitner, R., Fassbinder, J., Geiss, E., Kerscher H. (2005). A meteorite impact crater field in eastern Bavaria? A preliminary report. Meteoritics & Planetary Science, Vol. 40, p.187
Friday, November 13, 2009
Zur Entstehung der Furchensteine vom Chiemsee
Die auffälligen, von labyrinthisch gewundenen Kanälen und Löchern durchzogenen Furchensteine findet man sehr häufig an den Ufern des Chiemsees. Dort werden sie ihres Aussehens wegen auch 'Hirnstoa' (Hirnsteine) genannt. Furchensteine sind überaus weit verbreitet, so sind zum Beispiel Funde aus der Schweiz, Österreich Dänemark oder Kroatien dokumentiert. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts wurden dieses Phänomen in Schweizer Seen beobachtet und wissenschaftlich beschrieben. In den ersten Arbeiten zu diesem Thema wurden noch Muscheln oder Insektenlarven als alleinige Verursacher der Furchen angenommen. Man beobachtete aber bereits früh, dass diese Furchen stets unter einer tuffartigen, kalkigen Kruste, auf den sogenannten Krustensteinen, vorkommen. Daher vermutete man, diese Kalkkruste sei mitverantwortlich für die Entstehung der Furchen. Und tatsächlich sind die Prozesse der Krusten- und der Furchenbildung eng miteinander verknüpft. Hauptverantwortlich für die Bildung der Kalkkrusten sind vor allem die sogenannten Cyanobakterien, die in der Lage sind selbst Kalk zu bilden. Diese Cyanobakterien sind nämlich in der Lage neben CO2 auch HCO3- zur Photosynthese zu nutzen. Dadurch erhöhen sie den pH Wert und der Alkalinität zwischen ihren Filamenten erheblich und fördern dadurch die Ausfällung von Kalk. Das funktioniert natürlich nur, wenn im Seewasser diese gelösten Karbonate auch ausreichend zur Verfügung stehen. Dafür sorgen im Chiemsee die Wässer aus den nahen Kalkalpen sowie die kalkreichen glazialen Sedimente der Umgebung und deren Verwitterungsprodukte. Daneben ist ein erheblicher Anteil der Kalkkruste aber auch durch eingefangene Partikel zurückzuführen, die sich in den Filamenten oder Schleimhülle der Cyanobakterien verfangen und zu einer zusätzlichen Verfestigung der Kruste beitragen. Das Ergebnis ist eine dichte, knollige, kalkige Kruste die sich aus kleinen Höckern und Flecken zusammensetzt, die durchaus an Miniaturriffe erinnern.
Eine gut ausgebildete, höckerige Kruste erinnert ein wenig an einen Blumenkohl. Zwischen den einzelnen ‚Röschen’ finden innerhalb der Kruste korrosive Vorgänge die besten Ansatzpunkte die zur Ausbildung des charakteristischen Furchenmusters führen. Das Substrat ist in diesen Zwischenräumen ja noch am anfälligsten, denn an der Basis der Büschel ist die Kalkkruste stärker verfestigt und bildet daher besseren Schutz.
Der Prozess der Furchenbildung wird nun wieder von Cyanobakterien eingeleitet. Einige dieser an der Bildung der Kalkkruste beteiligten Organismen sind nämlich in der Lage, sich in kalkiges Gestein unter der Kruste zu bohren. Sie werden hierbei auch von einigen bohrenden Pilzarten unterstützt. Diese so genannten Endolithen schaffen damit die Vorraussetzung zur Entstehung der Furchen, da sie den Untergrund der Krusten anbohren und entscheidend schwächen. In die Kruste eindringende, weidende Tiere, wie Schnecken oder manche Larven schädigen den Untergrund dann weiter. Sie nagen quasi an den bereits gelockerten Stellen und höhlen damit die Furchen weiter aus. Zusätzlich findet in den entstandenen Hohlräumen auch anorganische Kalklösung statt. Verrottende organische Reste führen hier zu einer lokalen Versauerung der enthaltenen Wässer und entfalten damit zusätzlichen korrosive Kräfte.
Die Furchensteine vom Chiemsee sind also das Ergebnis komplexer biologischer und anorganischer korrosiver sowie biologischer abrasiver Vorgänge, die verblüffenderweise in engem Zusammenhang mit der Bildung von Kalk auf diesen Steinen stehen. Alle hier beschriebene Prozesse lassen sich am Chiemseeufer hervorragend beobachten, ein paar Bilder dazu habe ich ja bereits in einem anderem Artikel hier gezeigt. Mehr schöne Bilder von Furchensteinen aus dem Chiemsee findet der interessierte Leser im 'alles Furche oder was' Blog von Rimbao. Und hier noch eine Liste weiterführender Literatur:
Boysen Jensen, P. (1909).Über Steinkorrosion an den Ufern von Fureso . Int.
Rev. Ges. Hydrobiol., 2: 163-173.
Kann, E. (1941). Krustensteine in Seen. Arch. Hydrobiol., 37: 504±532.
Golubic, S. (1962). Zur Kenntnis der Kalkinkrustation und Kalkkorrosion im
Seelitoral. Schweiz. Z. Hydrobiol., 24: 229-243.
Schröder, H.G. (1982). Biogene benthische Entkalkung als Beitrag zur
Genese limnischer Sedimente. Beispiel: Attersee (Salzkammergut; Oberösterreich). Dissertation, Göttingen. 179 pp.
Schneider, J. Schröder, H.G. & Le Campion-Alsumard, T. (1983). Algal
micro-reefs : coated grains from freshwater environments. In Coated
Grains (Peryt, T.M., editor), 284-298. Springer, Berlin.
Schneider, J. & Le Campion-Alsumard, T.(1999). Construction and destruction of carbonates by marine and freshwater cyanobacteria. Eur. J. Phycol., 34: 417-426
Wednesday, November 11, 2009
Buchempfehlung: Nie mehr schlafen von Willem Frederik Hermans
Der junge Geologiestudent Alfred Issendorff wird in die norwegische Finnmark geschickt um dort die These seines Professors, die dortigen Toteislöcher seien Meteoritenkrater, zu beweisen. Ein Vorhaben, das bald in einer Katastrophe endet.
Auch wenn es im Chiemgau wesentlich weniger gefährlich zugeht als in der Finnmark, hoffe ich doch, dass nicht gerade ein Student dort herumstreift und versucht -etwa im Seeoner See?- Belege für kosmische Ursachen zu finden.
Ganz abgesehen von den offensichtlichen Pararellen zur Chiemgau-Impakt-Mania ist dieses Buch eine ganz wunderbare Lektüre.
Friday, October 30, 2009
Die Furchen auf Furchensteinen sind Furchen, keine Regmaglypten
Im Sommer 2008 habe ich einen schönen Spaziergang am Chiemsee unternommen, um dort ein paar der Furchensteine zu sammeln. Diese von auffälligen Furchen durchzogenen Steine kommen sehr häufig im Chiemsee und in anderen alpinen und voralpinen Seen vor. Die biogenen Prozesse, die zur Entstehung der markanten, hirnartigen Muster führen, sind schon seit langem bekannt und in der wissenschaftlichen Literatur sehr gut beschrieben.
Umso erstaunter war ich auf der Chiemgau Impact Seite in einem der Online-Artikel zu lesen, dass ausgerechnet diese Furchensteine als Argumentationshilfe für einen Chiemgau Impakt angeführt wurden. Dort wurde ein schönes Exemplar nämlich als Regmaglypt vorgestellt.
Regmaglypten sind grubenförmige Abtragungserscheinungen auf der Oberfläche von Meteoriten,
die dort durch die große Hitzeeinwirkung und andere Prozesse beim Durchfliegen der Erdatmosphäre entstanden sind. Ein typisches Merkmal sind kleine Gruben, die aussehen wie der Abdruck von Fingerkuppen in weichem Ton. Solche Regmaglypten sind ausschließlich an echten Meteoriten bekannt, nicht an irdischen Gestein.
Der anonyme Autor dieses Online-Artikels erklärt die Entstehung von Regmaglypten an den sehr irdischen Chiemseegeröllen wie folgt:
Nach dem Einschlag eines Himmelskörpers seien große Mengen an Gestein empor geschleudert worden. Diese hätten die Explosionswolke des Einschlagskörpers durchflogen und dort hervorgerufen durch die hohen Temperaturen und dynamischen Druck die typische Musterung als Furchensteine erhalten.
Diese Erklärung ist mehr als nur unwahrscheinlich. Selbst bei den ganz großen Einschlägen wie dem Chicxulub gibt es keinerlei vergleichbare Erscheinungen. Dagegen sind die biogenen Faktoren -vornehmlich in Verbindung mit Kalkalgen- die zur Entstehung von Furchensteinen führen, seit Jahrzehnten hervorragend nachgewiesen und dokumentiert.
Für mich gibt es jedenfalls keinen Zweifel mehr, dass die Furchensteine vom Chiemsee biogenen Ursprungs sind. Andere Erklärungen, insbesondere jene die ein katastrophales Ereignis erfordern, entbehren jeder Grundlage. Die Furchen der Furchensteine des Chiemsees sind keinesfalls Regmaglypten.
Sunday, October 25, 2009
Haben die 'Krater' des sogenannten Streufelds eine gemeinsame Ursache?
Um für eine Vielzahl auffälliger Geländeformen ein einziges, gemeinsames Ereignis verantwortlich zu machen, müssen diese natürlich auch zur selben Zeit entstanden sein. Eigentlich eine triviale Erkenntnis. Um die mehr als 80 Geländeformen also auf einen 'Chiemgau Impact' zurückzuführen, sollte man also versuchen eine möglichst exakte Alterdatierung an möglichst vielen 'Kratern' zu durchzuführen.
Das CIRT (Chiemgau Impact Research Team) hat hierzu bereits auch erhebliche Anstrengungen unternommen. Nachdem sie sich bereits im Astronomy Artikel aufgrund archäologischer Funde grundsätzlich auf die Keltenzeit als Einschlagszeitpunkt festgelegt hatten, legen nun Rappenglück et al. (2009) in einem Konferenzbeitrag unter anderem auch absolute Zeitbestimmungen vor und unternehmen den Versuch einer näheren zeitlichen Zuordnung des postulierten Ereignisses. Hierbei werden wie bereits erwähnt absoluten Datierungen, sowie archäologische Befunde vorgelegt, aber auch Ausflüge in die Welt der Mythen unternommen. Ich möchte hier zunächst die ersten beiden Methodiken näher betrachten, anhand derer Altersbestimmungen an 3 verschiedenen Fundorten gemacht wurden:
Altersdatierungen für den Chiemgau Impact auf einer größeren Karte anzeigen
- Tüttensee:
- Eine absolute Altersdatierung an einem in die sogenannte Brekzie eingelagertem Holzstück ergab ein Alter von 2900 v. Chr.
- Tonscherben aus der sogenannten Ejektalage werden auf ein Alter von ca. 1300 v. Chr. geschätzt
- Artefakte die am Rand des Tüttensees gefunden wurden werden auf ein Alter von ca. 300 v. Chr. geschätzt.
- Krater 005
- Eine absolute Altersdatierung an einem Holzkohlestück aus dem Grunde des ‚Kraters’ ergab ein Alter von 200 n. Chr. (Obwohl das Zitat fehlt beziehen sich diese Angaben wohl auf die Arbeit von Fehr et al. (2005) die ein Alter dieses Kraters von vor 134-200 n Chr. angeben.)
- Stöttham
- Scherben aus der sog. Impaktlage werden auf ein Alter von ca. 700-500 v.Chr. geschätzt
- Eine römische Pflasterung über der sog. Impaktlage wurde ca. 100-200 n. Chr. geschätzt
Statt nun diese sehr stark voneinander abweichenden Altersbestimmungen der einzelnen Lokationen differenziert zu betrachten, werfen Rappenglück et al. kurzerhand alle Zahlen in einen Topf, ignorieren die absoluten Datierungen am Tüttensee und Krater 5 und konstruieren daraus ein Alter des sogenannten Chiemgau Impact das zwischen 1300 v. Chr und 300 v. Chr. liegen soll. Die Autoren gehen noch einen Schritt weiter und nehmen Bezug auf die Welt der Mythen (Phaeton) um eine genauere zeitliche Einstufung des postulierten Ereignisses zwischen 700-300 v Chr. vornehmen zu können.
Diese Vorgehensweise ist natürlich -gelinde gesagt- äußerst kreativ. Bei unvoreingenommener Betrachtungsweise müßte man angesichts der Einzelbefunde vielmehr stutzig werden. Die absoluten Altersbestimmungen vom Tüttensee und Krater 005 liegen doch über 3000 Jahre auseinander. Selbst die Datierungen aufgrund archäologischer Funde innerhalb der sog. Ejektalagen von Stöttham und Tüttensee liegen noch mehrere Jahrhunderte auseinander. Und das Alter des Kraters 005 passt so ganz und gar nicht ins Bild.
Wenn die Autoren Ihrer Methodik noch trauen, müßten sie nun wohl in Betracht ziehen, daß die untersuchten Geländeformen womöglich gar nichts miteinander zu tun haben. Um eine gemeinsame Ursache bzw. Entstehungsgeschichte dieser Geländeformen postulieren zu können braucht man jedenfalls eine deutlich bessere Datenlage. Der sogenannte Krater 005 und der Tüttensee können aufgrund der von Rappenglück et al. (2009) und Fehr et al. (2005) nachgewiesenen unterschiedlichen Alter unmöglich eine gemeinsame Ursache haben.
Literatur:
Rappenglück, B.; Ernstson, K.; Mayer, W.; Neumair, A.; Rappenglück, M. A.; Sudhaus, D.; Zeller, K. W. (2009): The Chiemgau Impact: An Extraordinary Case Study for the Question of Holocene Meteorite Impacts and their Cultural Implications. Cosmology Across Cultures ASP Conference Series, Vol. 409, proceedings of the conference held 8-12 September, 2008, at Parque de las Ciencias, Granada, Spain. Edited by José Alberto Rubiño-Martín, Juan Antonio Belmonte, Francisco Prada, and Antxon Alberdi. San Francisco: Astronomical Society of the Pacific, 2009., pp. 338-343

