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Wednesday, April 17, 2019

If you wish upon a star. Chiemite: an Anthropocene pseudo-impactite

Nachdem Shumilova et al. (2018), den Chiemit als Impaktit in die Literatur einzuführen versuchten, haben Wissenschaftler vom CSIRO in Australien, letzte Woche die Ergebnisse ihrer Untersuchungen an Chiemit-Material während der Jahrestagung der EGU in Wien vorgelegt.

Sie finden keinerlei Belege für einen kosmischen Ursrung von Chiemit. Vergleichuntersuchungen mit Schmiedekoks zeigen dagegen eine sehr hohe Übereinstimmung, der Ursprung des Chiemits liegt also tatsächlich eher im Kohlenkeller als in den Sternen.

Poster EGU 2019

 Mehr Informationen dazu gibt es im Abstract des Tagungsbeitrages.

Das Poster ist als PDF hier einsehbar.

Tuesday, May 14, 2013

Chiemit: ein Gestein aus dem Kohlenkeller?

Bereits im letzten Jahr wurde in der Lokalpresse über den Fund eines angeblich neuen, einzigartigen Chiemgauer Gesteins berichtet. Dieser sogenannte Chiemit wurde feierlich mit Urkunde und Probestück dem stellv. Landrat Konhäuser überreicht und sollte über sagenhafte Eigenschaften verfügen (exotische Materie, härter als Diamant, enthält Silber und so weiter...).

Mehr Informationen zum Chiemit, bzw. dem zugrunde liegendem Material kann man einem Abstract russischer Forscher entnehmen, das vorläufige Untersuchungsergebnisse zum Chiemit enthält (Shumilova et al., 2012). Und das ist wirklich interessant, denn die Autoren wollen im untersuchten Material sehr ungewöhnliche Kohlenstoffmodifikationen, nämlich Carbyne, gefunden haben. Dieses exotische, langkettige Kohlenstoffallotrop wird als möglicher Bestandteil von kosmischem Staub angenommen bzw. soll unter den Bedingungen eines Meteoriteneinschlages als schockmetamorphes Produkt entstehen. Das erklärt wohl das große Tamtam, das die CIRT Leute um diese Entdeckung gemacht hat.

Allerdings ist in der Fachwelt mehr als umstritten ob es solche natürlichen Vorkommen von Carbyne überhaupt gibt (e.g. Smith & Buseck, 1982). Der Haken an diesen langkettigen Molekülen ist nämlich, dass sie extrem instabil sind. Sie würden sofort wieder, und zwar explosiv zerfallen - wenn es sie gäbe. Ein Umstand der den Nobelpreisträger und Kohlenstoffexperten Harry Kroto (2010) zu ziemlich deutlichen Worten veranlasst hat: ”The existence of carbyne is myth based on bad science and perhaps even wishful thinking”.

Nun sind diese exotischen Moleküle also in Proben vom Chiemsee und dem Rauschberg bei Ruhpolding gefunden worden. Wobei das Material in großen Brocken und zudem noch recht häufig aufzufinden ist. Was allein schon seltsam ist, musste man denn bislang derart exotische Materie eher mit der Lupe bzw. wissenschaftlichem Großgerät, suchen. Im Chiemgau wurde das Material jetzt aber in solchen Mengen gefunden, dass sogar den russischen Forschern eine Erklärung für die Herkunft des Ausgangsprodukts schwerfiel. Denn um so viel Chiemit durch Schockmetamorphose zu erzeugen, muss ja Kohlenstoff in entsprechenden Mengen am Einschlagspunkt vorhanden gewesen sein.

Jedenfalls stand so viel Material zur Verfügung, dass Teile davon auf Ebay hoffnungsfroh zur Versteigerung angeboten wurden! Diese Angebote wurden zwar wieder zurückgezogen, allerdings blieb uns daraus gutes Bildmaterial (das ich hier als Bildzitat verwende) des angebotenen Chiemits erhalten, das tief blicken lässt.

Abbildung 1. Chiemit auf Ebay angeboten von ‘savali2’ unter der Bezeichnung “Chiemit - Chiemgauer Komet mit Expertise”, http://www.ebay.de/itm/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=120922132918 


Denn wenn man sich das dort angebotene Material ansieht, fallen sofort die 3 parallelen, sehr geraden Längskanten auf. In der Abbildung ist außerdem ein rechteckiger Querschnitt des Probenstücks angedeutet. Insgesamt lässt sich gut auf eine ursprünglich längliche Quaderform des Materials schließen, die ich so von einem kontaktmetamorphen, angeblich amorphen Produkt nicht unbedingt erwarten würde. Dazu sind noch Masse von ca. 8 cm angegeben worden, wenn damit die Länge gemeint ist, heißt das, dass der Querschnitt etwa 5-6 cm betragen dürfte.

Quaderförmiger Kohlenstoff, das klingt doch vertraut oder? Ich kenne solche Stücke aus Omas Kohlenkeller: als handelsübliche Kohlebriketts.

Zwar haben die russischen Forscher vergleichende Untersuchungen mit Kohlen vorgenommen, allerdings habe sie Probenmaterial aus der Severnaya Mine in Russland benutzt. Nicht zum Vergleich herangezogen haben sie lokal übliche Kohlen oder gar industriell aufbereitete Kohle. Also etwa Koks der wie Chiemit eine ausgesprochen poröse Textur aufweist.

Ist Chiemit also schlicht verwittertes Koksbrikett? Nun, nachdem im Chiemgau Impakt Kontext schon mehrmals Industrieprodukte mit Impaktprodukten verwechselt wurden, drängt sich dieser Verdacht förmlich auf. Jedenfalls weisen Vorkommen, Form, Größe und Textur darauf hin. Vielleicht findet sich ja sogar noch eine Herstellerprägung auf einem Chiemitstück und man kann auf weitergehende Untersuchungen verzichten. 


Literatur:

Smith, P.P.K. & Buseck, P.R. (1982): Carbyne Forms of Carbon: Do They Exist?. SCIENCE, Vol. 216, pp. 984-986

Shumilova, T. G., Isaenko S. I., Makeev B. A., Ernstson K., Neumair A., Rappenglück M. A. (2012): Enigmatic Poorly Structured Carbon Substances from the Alpine Foreland, Southeast Germany: Evidence of a Cosmic Relation. 43nd Lunar and Planetary Science Conference, p. 1430

Kroto, H. (2010): Carbyne and other myths about carbon. CHEMISTRY WORLD, Vol. 7 (11), p. 37

Monday, December 6, 2010

Chiemgau Impact Hypothesis is Dead

Zusammen mit Martin Rundkvist und Robert Darga habe ich vor einiger Zeit eine Erwiderung auf den Antiquity Artikel von Rappenglück et al. verfasst. Diese wurde mit einer recht interessanten Begründung von den Herausgebern von Antiquity abgelehnt:
Es hatten sich nämlich zur etwa selben Zeit einige namhafte Geologen gefunden und ihrerseits eine Erwiderung eingereicht, die noch pointierter auf die regionale Geologie eingeht. Die Herausgeber entschieden sich dann eben für diese Variante. Auch gut! Vermutlich wird die Erwiderung leider nicht vor März erscheinen, die wissenschaftlichen Mühlen mahlen eben langsam...
In der Zwischenzeit hat aber Martin Rundkvist unsere Auffassung in seinem Blog unter dem Titel: 'Chiemgau Impact Hypothesis is Dead' veröffentlicht.

Thursday, January 7, 2010

Der Chiemsee ist eine kometenfreie Zone

Meine Bibliothek war gut zu mir und so konnte ich heute endlich einen Blick in die schöne Arbeit von Ricarda Voigt (1995) werfen. Diese ist, abgesehen von einer älteren Arbeit aus dem Delta der Tiroler Ache von Xidas (1974) , soweit ich weiß, die einzige Untersuchung an Sedimentkernen aus dem Chiemsee.

Frau Voigt hatte die Gelegenheit sedimentologische und paläoklimatische Untersuchungen an Seesedimenten des Chiemsees vorzunehmen. Dazu lagen ihr zwei Schwerelot-Kerne aus den tiefen Bereichen des Sees vor. Kern CH83/12 stammt aus 72m und Kern CH83/24 aus 60 m Wassertiefe. Sie umfassen eine Länge von 8,20 m bzw. 10,20 m. Die genaue Lage der Kerne kann aus der Google Karte anbei entnommen werden.



Diese Informationen auf einer größeren Karte anzeigen


Zu beiden Kernen legt Voigt auch eine hervorragende Altersdatierung vor, demnach umfassen die Kerne insgesamt einen Zeitraum von über 12000 Jahren vor heute.
Besonders spannend sind die paläoklimatischen und pollenanalytischen Untersuchungen von Voigt und die daraus folgende Rekonstruktion der Besiedlungsgeschichte der Gegend um den Chiemsee. Dazu aber später mehr, zunächst möchte ich mich auf Impaktindikatoren in den Sedimentkernen beschränken.

Die Kometensucher des CIRT haben ja immer wieder einen Einschlag von Komentenfragmenten im Chiemsee postuliert. Flutwellen oder gar Tsunamis die an das Chiemsee-Ufer brandeten, sollen die katastrophale Folge gewesen sein.
Als Beleg werden vom CIRT die Furchensteine - fälschlicherweise als Regmaglypten gedeutet - am nördlichen Chiemsee-Ufer angeführt oder der ominöse "Katastrophen"-Horizont bei Stöttham siehe: http://www.chiemgau-impakt.de/archiv.html. (Zu Letzterem merkt Darga (2009) übrigens völlig korrekt an, dass diese Katastrophen-Brekzie als offenkundiges Konglomerat anzusprechen sei). Außerdem munkelt man von Sonarmessungen, die verdächtige Vertiefungen im Chiemseebecken erkennen ließen.

Die Arbeit von Voigt bietet die Möglichkeit, sozusagen an Ort und Zeit des Geschehens die These zu überprüfen. Um es wieder nicht allzu spannend zu machen:
Beide Kerne zeigen keinerlei Auffälligkeiten. Fast über die gesamte Kernlänge ist eintöniges, feinkörniges Seesediment beobachtet worden mit Sandanteilen von durchgehend < 1%, was für eine äußerst ruhiges Ablagerungsmilieu spricht.
Lediglich in den ältesten Kernbereichen wurde wenig grobkörniges Material gesichtet, was die frühnacheiszeitliche Entwicklung des Chiemsees widerspiegelt. Über die gesamte restliche Kernlänge konnte Voigt kaum gröberes Material finden, weder grobklastisches Sediment, noch nennenswerte Anteile von Holzkohlen oder anderen organischen Resten.

Vor allem aber konnte Voigt keine irgendwie exotische Lage im Sinne CIRT entdecken. Und dies bei einer engmaschigen Beprobung auch im vom CIRT neuerdings vorgeschlagenen Zeitraum von vor 2000-3000 Jahren.

Wer aber schon mal einen Blick auf einen Sedimentkern und daraus engmaschig gewonnenen Probenmaterials geworfen hat, der weiß, dass es praktisch unmöglich ist, so was wie eine Katastrophenlage ganz zu übersehen.

Nach der Richtigstellung der Furchensteine als biogene Erscheinungen, und des Katastrophen-Horizonts bei Stöttham als Kolluvium (Darga, 2009) fehlt am nördlichen Ufer jedes Indiz für ein Impaktereignis. Wie ich bereits in einem anderen Beitrag geschrieben habe, sind auch keine Impaktspuren in den südlichen Chiemseemooren in der fraglichen Zeit festzustellen. Nachdem sich nun selbst in Bohrungen aus dem Chiemsee keinerlei Hinweise auf ungewöhnliche Ereignisse finden lassen, muss man den Chiemsee wohl zweifellos als kometenfreie Zone betrachten.

Literatur:

Xidas, S (1974). Sedimentologische Untersuchungen im Delta der Tiroler Ache (Chiemsee/Oberbayern). Dissertationsschrift der TU München, 143 pp.

Voigt, R. (1995). Paläolimnologische und vegetationsgeschichtliche Untersuchungen an Sedimenten aus Fuschlsee und Chiemsee (Salzburg und Bayern), Dissertationes botanicae 270, 303 p.

Darga, R. (2009). Der Chiemgau-Impakt eine Spekulationsblase Oder: Der Tüttensee ist KEIN Kometenkrater. In: Auf den Spuren des Inn-Chiemsee-Gletschers, Ed. Darga & Wierer, Wanderungen in die Erdgeschichte 27

Wednesday, December 16, 2009

Konhäusers Empfehlungen zur guten wissenschaftlichen Praxis

Viel Aufregung herrscht derzeit um einen Vortrag von Herrn Dieter Heinlein, den dieser jüngst im Naturkundemuseum Siegsdorf zum Thema 'Kometeneinschlag im Chiemgau' gehalten hat. Herr Heinlein hat dort den Einschlag als Wunschvorstellung des CIRT bezeichnet. Dazu erschienen kurze Berichte im Siegsdorfer Heimatanzeiger sowie im Traunsteiner Tagblatt. Ich fürchte beide Beiträge sind online nicht verfügbar.

Der Vorsitzende des Chiemgau Impakt e.V. (ja, den gibt es wirklich..) hat sich darauf zu einem Leserbrief an das Traunsteiner Tagblatt hinreissen lassen. In diesem wirft er Heinlein und Herrn Darga, den Leiter des Museums, ohne Umschweife Unwissenschaftlichkeit vor und spricht ihnen die fachliche Qualifikation ab. Er gibt in seinem Brief auch noch folgende Empfehlungen zur guten wissenschaftlichen Praxis:

"Wer in der Wissenschaft mitreden möchte, muss den aktuellen Forschungsstand bis ins Detail kennen, die Methoden beherrschen, Proben genauestens überprüfen, vor Ort Forschung betreiben, ausgewiesener Fachmann nicht irgendwo, sondern auf dem in Frage kommenden Gebiet sein und schliesslich Behauptungen des Gegners auf der Grundlage eigener Forschungen widerlegen"
Eine etwas eigenwillige Ansicht. Auf das CIRT angewendet, die ja keine eigenen Forschungsergebnisse vorlegen, hiesse das: die Beweislast geht voll an die Kritiker der These.

Herr Konhäuser ist Vorstand des Chiemgau Impakt e.V. und stellvertretender Landrat des Landkreises Traunstein.

Friday, December 11, 2009

Neue Untersuchungen zu Diamanten als Impaktindikatoren

Paquay et. al. (2009) beschäftigen sich in einer jüngst veröffentlichten Arbeit mit der Frage, ob es tatsächlich ein Impaktereignis zu Beginn der jüngeren Dryas gab. Dieser Impakt wurde zuvor von anderen Autoren (Firestone et al. , 2007; Kennett et. al. 2009) als Auslöser für die rapide Abkühlung der nördlichen Hemisphäre vor etwa 12.900 Jahren vorgeschlagen. Eine besondere Rolle spielten bei diesen Untersuchungen Funde von Kohlenstoffsphären und Nanodiamanten (in der Form als n-Diamant) und deren Bedeutung als Nachweis für einen Impakt.

Deshalb ist diese Arbeit auch sehr interessant im Zusammenhang mit dem angeblichen Chiemgau Impakt. Fast identische Befunde, also Kohlenstoffkügelchen mit Diamanten aus Bodenproben im Bereich des postulierten Streufeldes, werden nämlich auch vom CIRT als Argument für dieses Ereignis angeführt. Unterstützt wurde diese Meinung durch einen Konferenzbeitrag von Rösler et al. (2006), die einen Einschlag als Ursache für die Diamanten favorisieren. Seit letztem Jahr liegt auch eine Veröffentlichung von Yang et al. (2008) an Material aus Burghausen und (Spa) Belgien vor, in der dies schon etwas vorsichtiger formuliert wird. Die Autoren können einen Impakt als Ursache für die Entstehung der Diamanten nämlich nicht nachweisen, sie diskutieren daher auch alternative Ursachen wie -nun ja- einen größeren Vulkanausbruch.

Die Arbeiten von Paquay et al. (2009) ergaben jetzt weitere Hinweise zur Frage der Herkunft der Sphären und Diamanten. Sie konnten nach umfangreichen geochemischen Analysen keinerlei überzeugende Hinweise auf einen Impakt zu Beginn der jüngeren Dryas finden. Weder die Iridiumanomalien der vorhergehenden Arbeiten konnten sie nachvollziehen, noch fanden sie andere Auffälligkeiten bei ihren geochemischen Untersuchungen der Platingruppe (Os, Ir, Ru, Rh, Pt, Pd). Dies ist bemerkenswert, denn ohne Zweifel sind insbesondere Os Isotope sehr aussagekräftige Impaktindikatoren. Das alleinige Vorkommen von Nanodiamanten (n-Diamanten) ohne geochemisches Impaktsignal lässt demnach hier auch keine belastungsfähige Impaktdiagnose zu.
n-Diamanten können bei relativ niedrigen Temperaturen und niedrigen Sauerstoffgehalten bei Verfügbarkeit von Kohlenstoff entstehen. Daher spekulieren die Autoren über natürliche Waldbrände als Ursache für die in den von Yang et al. (2008) beobachteten Diamanten.
Eine ähnliche Erklärung wurde übrigens auch bereits für die Entstehung von Fullerenen in Sedimenten der Kreide-Tertiär Grenze vorgeschlagen (z.B. Heymann et al., 1994). Hier allerdings wurden diese Waldbrände wieder als direkte Folge des KT Impaktes gesehen.

Insgesamt zeigen die Arbeiten von Paquay et. al (2009) und Yang et al. (2008), dass Nanodiamanten als alleinige Impaktindikatoren fraglich und für den 'Chiemgau Impakt' möglicherweise ganz untauglich sind. Es wäre wünschenswert, wenn hier auch andere Ursachen - insbesondere auch anthropogene - mit in Betracht gezogen würden. Zweifellos bleibt die Entstehung der Kohlenstoffsphären mit Diamanten aber eine spannende Frage. Hierzu und zur Frage des 'Younger Dryas Impakt' bleibt abzuwarten, was etwa die Autoren um Firestone und Kennett zu den neuen Befunden zu sagen haben.

Literatur:

Firestone RB, et al. (2007) Evidence for an extraterrestrial impact 12,900 years ago that
contributed to the megafaunal extinctions and the Younger Dryas cooling. PNAS 104(41):16016–16021.

Heymann et al. (1994) Fullerenes in the Cretaceous-Tertiary Boundary Layer. Science 265:645 - 647

Kennett DG, et al. (2009) Nanodiamonds in the Younger Dryas boundary sediment
layer. Science 323:94.

Paquay et al. (2009):Absence of geochemical evidence for an impact event
at the Bølling–Allerød/Younger Dryas transition. PNAS 104 (51): 21505-21510

Rösler W., et al. (2005) Diamonds in carbon spherules – evidence for a cosmic impact?. 68th Annual Meteoritical Society Meeting

Yang et al (2008) TEM and Raman characterisation of diamond micro- and nanostructures
in carbon spherules from upper soils. Diamonds and related Materials 17:937–943

Sunday, December 6, 2009

Geld verdienen mit der Chiemgau-Impact-Mania

Auf Ebay werden ein paar anpolierte Handstücke zweifelhafter Herkunft als: '13 METEORITE IMPACTITES from 12 Different Locations' angeboten.
Unter diesen 12 Orten befindet sich auch der Tüttensee, von wo auch angeblich das angebotene 'chunk of disturbed rock' stammen soll. Vielleicht besteht bei Jemandem noch Bedarf, seine Vitrine durch dieses wunderschöne Exemplar zu bereichern? Die Auktion läuft noch 3 Tage und 14 Stunden. Ein schönes Beispiel wie sich die Chiemgau-Impact-Mania auch noch zu Geld machen läßt.

Thursday, November 26, 2009

Alles ruhig über'm Moor

Man möchte meinen eine kosmische Katastrophe wie sie vom Chiemgau Impakt Team postuliert wird, hinterließe nachweisbare Spuren auch in den Chiemseefilzen. Neben den Seesedimenten des Chiemsees wären die Moore ja ideale Archive des Geschehens, da sie relativ schnell wachsen und zudem gut datierbar sind.

Glücklicherweise legt Schmeidl (1977) in den Erläuterungen des 1:25000 Kartenblatts Traunstein eine schöne Zusammenfassung einiger Untersuchungen an Moorprofilen rund um den Chiemsee vor. Besonders interessant sind hierbei zwei Profile aus den südlichen Chiemseemooren. Beide Profile umfassen zwischen etwa 5 und 7 Meter Moor und reichen einige Tausend Jahre in die Vergangenheit zurück. Daneben sind in dieser Arbeit Profile aus dem Schwarzelmoos bei Chieming und aus den Gramsen bei Hirschau beschrieben.

Um es gleich vorwegzunehmen: Nein, hier sind keine Regmaglypten ins Moor gefallen und es ist auch keine Brekzien-, Aschenlagen etc. dokumentiert. Vielmehr zeichnen sich diese Profile durch die Abwesenheit von sedimentologischen Auffälligkeiten aus.

Die Moorprofile aus dem Schwarzelmoos und den Gramsen sind in den jüngeren Bereichen leider nicht gut datiert und weisen dort weniger gut erhaltene oder stark flüssige Bereiche auf. Beide zeigen keinerlei ungewöhnlichen Einlagerungen.
Profil I (Abb. links) aus den südlichen Chiemseemooren zeigt im oberen Bereich etwa 2,8 Meter ungestörten Torf, erst dann macht sich eine Aschenlage bemerkbar. In diesem oberen Bereich liegen zwei C14 Datierungen vor. Eine bei etwa 60 cm, die ein Alter von etwa 756 n. Chr. ergab eine weitere Datierung bei ca. 1,8m lag schon bei etwa 2844 v. Chr.
Profil II (Abb. rechts) der südlichen Chiemseemoore bietet ein besonders interessantes Detail. Es umfasst nämlich die Reste eines Bohlenweges bei etwa 1,5 m Tiefe. Dieser Bohlenweg wurde auf etwa 630 v.Chr datiert. Er ist somit genau in dem Zeitraum, in dem CIRT den Zeitpunkt der kosmischen Katastrophe postulieren, entstanden. Oberhalb des Bohlenwegs finden sich ungestörter Torf und auch unterhalb der Bohlen finden sich keinerlei Auffälligkeiten. Erst bei etwa 3 Metern finden sich dann ein paar Toneinschwemmungen.

Besonders die letzten beiden Profile zeigen deutlich, dass genau in dem vom CIRT vermuteten Zeitabschnitt im Chiemsee keinerlei ungewöhnliche Ereignisse stattgefunden haben. Das Katastrophenszenario, das einen Einschlag im Chiemsee sowie einen dadurch ausgelösten Tsunami einschließt, entbehrt ganz offenbar jeder Grundlage. Es ist völlig ausgeschlossen, dass derartige Ereignisse in den Mooren der unmittelbaren Umgebung keinerlei Spuren hinterlassen haben. Über den Chiemseemooren jedenfalls herrschte Ruhe zu dieser Zeit.

Schmeidl (1977). Pollenanalytische Untersuchungen im Gebiet des ehemaligen Chiemseegletschers
. Erläut. z. Geol. Karte v. Bayern 1:25000, Bl. 8140, Prien a. Chiemsee u. Bl. 8141, Traunstein: 239 - 264.

Friday, October 30, 2009

Die Furchen auf Furchensteinen sind Furchen, keine Regmaglypten

Zu diesem Thema habe ich bereits letztes Jahr auf dem Stratigraphy.net Blog einen Beitrag gepostet. Da dieser mittlerweile eine Reaktion des CIRT hervorgerufen hat, hier noch einmal eine kurze Zusammenfassung auf Deutsch.

Im Sommer 2008 habe ich einen schönen Spaziergang am Chiemsee unternommen, um dort ein paar der Furchensteine zu sammeln. Diese von auffälligen Furchen durchzogenen Steine kommen sehr häufig im Chiemsee und in anderen alpinen und voralpinen Seen vor. Die biogenen Prozesse, die zur Entstehung der markanten, hirnartigen Muster führen, sind schon seit langem bekannt und in der wissenschaftlichen Literatur sehr gut beschrieben.
Umso erstaunter war ich auf der Chiemgau Impact Seite in einem der Online-Artikel zu lesen, dass ausgerechnet diese Furchensteine als Argumentationshilfe für einen Chiemgau Impakt angeführt wurden. Dort wurde ein schönes Exemplar nämlich als Regmaglypt vorgestellt.

Regmaglypten sind grubenförmige Abtragungserscheinungen auf der Oberfläche von Meteoriten,
die dort durch die große Hitzeeinwirkung und andere Prozesse beim Durchfliegen der Erdatmosphäre entstanden sind. Ein typisches Merkmal sind kleine Gruben, die aussehen wie der Abdruck von Fingerkuppen in weichem Ton. Solche Regmaglypten sind ausschließlich an echten Meteoriten bekannt, nicht an irdischen Gestein.

Der anonyme Autor dieses Online-Artikels erklärt die Entstehung von Regmaglypten an den sehr irdischen Chiemseegeröllen wie folgt:
Nach dem Einschlag eines Himmelskörpers seien große Mengen an Gestein empor geschleudert worden. Diese hätten die Explosionswolke des Einschlagskörpers durchflogen und dort hervorgerufen durch die hohen Temperaturen und dynamischen Druck die typische Musterung als Furchensteine erhalten.

Diese Erklärung ist mehr als nur unwahrscheinlich. Selbst bei den ganz großen Einschlägen wie dem Chicxulub gibt es keinerlei vergleichbare Erscheinungen. Dagegen sind die biogenen Faktoren -vornehmlich in Verbindung mit Kalkalgen- die zur Entstehung von Furchensteinen führen, seit Jahrzehnten hervorragend nachgewiesen und dokumentiert.

Während meines Spazierganges am Chiemseeufer bei Chieming, konnte ich zahlreiche Furchensteine bereits im Uferbereich finden. Sie kommen dort massenhaft in einer Häufigkeit von bis zu 40 Exemplaren pro Quadratmeter vor. Ich konnte sowohl schön ornamentierte, trocken liegende Exemplare sehen, als auch Exemplare im Chiemsee selbst. Letztere belegen gut die Entstehung der Furchensteine in situ (an Ort und Stelle). Diese von Wasser bedeckten Furchensteine sind nicht leicht zu erkennen, da sie häufig von einer Kalkkruste überzogen sind und damit eher an einen schmutzigen Blumenkohl erinnern. Aber gerade diese Kruste zeigt, dass die Prozesse, die zur Bildung von Furchen führen, immer noch stattfindet. Denn dieser Überzug wird von Kalkalgen erzeugt, die mitverantwortlich für die Entstehung der Furchen sind (mehr zur genauen Entstehung werde ich noch in einen eigenen Artikel schreiben).

Diese Kruste kann man leicht abkratzen, die grünliche Farbe die dabei zum Vorschein kommt zeigt die Algentätigkeit gut an. Unter der Kruste kann man auch sehr schön die Furchen selbst sehen, die sich bevorzugt an den Rändern der röschenförmigen Algenbüschel orientieren.
Für mich gibt es jedenfalls keinen Zweifel mehr, dass die Furchensteine vom Chiemsee biogenen Ursprungs sind. Andere Erklärungen, insbesondere jene die ein katastrophales Ereignis erfordern, entbehren jeder Grundlage. Die Furchen der Furchensteine des Chiemsees sind keinesfalls Regmaglypten.

Wednesday, October 21, 2009

Kommt die Publikation?

Eine Interessante Meldung veröffentlichte soeben das Oberbayrische Volksblatt: Anlässlich einer Ausstellungseröffnung im Grabenstätter Rathaus zum Chiemgau Impact kündigte das CIRT die baldige Veröffentlichung ihrer These in einer 'sehr renommierten internationalen Fachzeitschrift' an. Seitens dieser Zeitschrift sei bereits eine Publikationszusage erfolgt.

Tuesday, October 20, 2009

Chiemgau-Impact-Mania

Was ist eigentlich der Chiemgau Impakt? Die deutsche Ausgabe der Wikipedia erläutert hierzu: 'Der Chiemgau-Impakt ist der hypothetische Einschlag eines Kometen, der nach dem Eindringen in die Erdatmosphäre in der Luft explodiert sein soll und dessen Trümmer angeblich im Chiemgau niedergingen'.

Der Öffentlichkeit wurde dieses Ereignis erstmals 2004 in der populärwissenschaftlichen Zeitschrift Astronomy in einem Artikel mit dem Titel: 'Did the Celts see a comet impact in 200 b.c.' vorgestellt. Die Autoren, die unter dem Pseudonym 'CIRT' auftraten, postulierten aufgrund verschiedener Indizien in Südostbayern ein ausgedehntes Kraterfeld mit mindestens 81 Einzelkratern. Diese Krater sollten durch die Einschläge von Fragmenten eines großen, in der Atmosphäre zerborstenen Asteroiden oder Kometen entstanden sein und eine Fläche von 58x27 Kilometern einnehmen. Auch der Tüttensee, ein schöner Badesee im Chiemgau soll einer dieser Krater sein. Der Einschlag soll entsprechende katastrophale Folgen nach sich gezogen haben, zeitlich wurde dieses Katastropheszenario etwa in die Keltenzeit, vor etwa 2500 Jahren, eingeordnet. Diese Veröffentlichung zog ein bemerkenswertes Presseecho nach sich und zahlreiche Artikel erschienen in Tageszeitungen und Wochenzeitschriften. Das Medieninteresse war so groß, daß auch einige Fernsehberichte entstanden, die das Thema teilweise etwas bunt ausschmückten.

Erstaunlicherweise ist bis heute keine Arbeit der 'Entdecker' zu diesem Ereignis in einer ernstzunehmenden geowissenschaftlichen Fachzeitschrift erschienen. Das so genannte CIRT beschränkte sich vielmehr darauf ihre Ergebnisse im Internet und über die Medien zu verbreiten. Aus der Fachwelt gibt es lediglich eine Arbeit (Fehr et.al, 2005) die einige kraterähnliche Strukturen weiter östlich bei Burghausen behandelt. Sie kommt immerhin zum Schluß, man könne einen Impact dort nicht völlig ausschließen.
Interessanterweise hat diese Nichtveröffentlichung von Ergebnissen die Folge, daß der so genannte Chiemgau Impact für die Fachwelt gar nicht existiert. Durch das Medienecho sah man sich aber gezwungen Stellung zu beziehen. Die Creme der Impaktforscher hat sich geschlossen gegen eine Impaktthese ausgesprochen und dies in einer Presseerklärung verbreitet was eine heftige Reaktion desCIRT auslöste. Spätestens seitdem werden Einwände gegen die Impaktthese scharf kritisiert und auf der Chiemgau Impakt homepage teils sehr polemisch abgehandelt.
Der unerfreuliche Umgang mit Kritikern liegt wohl zum größten Teil an den wenig belastbaren Indizien der Impaktthese. Hier wurden selbst eindeutige geologische Befunde nach Gusto umgedeutet. So werden etwa Toteislöcher zu Einschlagskratern oder Bodenhorizonte zu Impaktlagen erklärt und äußerst dickhäutig verteidigt. Die Argumentationskette des CIRT läuft dazu meist nach dem Muster: eine andere Erklärung für dieses oder jenes Phänomen als einen Impakt könne man sich nicht vorstellen und man möge ihnen doch bitte das Gegenteil beweisen.

Diese so genannten Beweise werden den Chiemgauern in zahlreichen Vorträgen und in der Lokalpresse vorgestellt, sie nehmen die Impaktthese begeistert auf und freuen sich über 'ihren' Einschlag. Eine regelrechte Impaktmanie ist nun im Chiemgau ausgebrochen. Es wurde sogar ein Verein zur Unterstützung der 'Impaktforschung' gegründet und Gemeindeblätter rufen zur Mitarbeit der Bevölkerung auf, um etwa Toteislöcher und andere verdächtige Geländeformen zu melden. Selbst die Lokal- und Landespolitik stellt sich hinter dieImpaktfreunde, so kam es zu Terminen im Ministerium, Bürgermeister stellen Ausstellungsflächen in Rathäusern zur Verfügung und Lokalpolitiker freuen sich über die tourismusfördernde Wirkung eines Tüttenseekraters.
Auf der Strecke bleibt allerdings eine ausgewogene, kritische Betrachtung der geowissenschaftlichen Basis. Im Gegenteil, es wird, soweit es den eigenen Zwecken dient, systematisch die Unterhöhlung der Glaubwürdigkeit regionalgeologischer Befunde versucht. Wobei die gängige Praxis der wissenschaftlichen Diskussion insbesondere der Publikationskultur und damit der öffentlichen Stellungnahme vor einem ebenbürtigem Fachpublikum vollkommen ignoriert wird. Stattdessen geht man den Weg über die Medien und kehrt die Beweislast um. Zum großen Schaden für das Bild der Geowissenschaften in der Öffentlichkeit.

Ich möchte mit diesem Blog versuchen das Eine oder Andere wieder geradezurücken. Eines meiner Ziele ist es der Argumentation des CIRT dort auf den Zahn zu fühlen wo es vielleicht weh tun wird. Eines muss man dem CIRT aber lassen: das öffentliche Interesse an der Geologie zu wecken ist ihnen grandios gelungen. Ich möchte aber auch zeigen, daß es durchaus Spaß machen kann sich mit Geowissenschaften ganz ohne Katastrophenszenarios zu beschäftigen. Es gibt auch so viele interessante Dinge im Chiemgau zu entdecken.