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Monday, October 15, 2012

Furchen- und Schwimmsteine auf der Fraueninsel

Als Pflasterung
Diesen Sommer bin ich einmal um die Insel gelaufen und konnte Furchen-bzw. Krustensteine eigentlich an allen öffentlich zugänglichen Uferbereichen finden. Mit Ausnahme natürlich der verbauten Bereiche etwa der kleinen Hafenanlagen im Nordwesten.
Diese Vorkommen sind ja eigentlich alter Tobak, ich aber finde sie sind aber trotzdem einen kleinen Kommentar wert zudem auf der Fraueninsel Furchensteine auch als Baumaterial verwendet wurden.
Schlacke in der Friedhofsmuer
Zum Beispiel sind sie als Pflastersteine sowie in der Karolingischen Torhalle oder an der Friedhofsmauer als Mauersteine eingebaut worden. In dieser Mauer findet man überraschenderweise noch andere Materialien, die wir aus dem Chiemgau-Impakt Kontext kennen: neben allerlei glazialen Geröllen und Nagelfluh auch einige Stücke Schlacke aka Schwimmsteine!

Sunday, June 24, 2012

Bimssteinexperimente

Nachdem das Chiemgau Impakt Team (CIRT) kürzlich über das Vorkommen von schneeweißen Varietäten von Bimsstein im Chiemsee berichtete, darf ich hier melden, dies auch an den Ufern des norddeutschen Otterstedter Sees beobachtet zu haben. An diesem See -der übrigens bemerkenswerterweise über eine auffällige, runde Form verfügt - lässt sich dieses Gestein allerdings nur in einer recht scharfkantigen Ausführung nachweisen.

Der Laie könnte dies durchaus für Bauschutt etwa Bruchstücke von Ytong halten, wenn nicht das mikroskopische Bild eine verblüffende Übereinstimmung mit den Funden vom Chiemsee zeigen würde.
Außerdem schwimmen diese tatsächlich, sofern spielende Kinder sie in den See werfen. Die Entstehung der Schwimmsteine vom OtterstedterSee und des Tütten- bzw. Chiemsees dürften also eine vergleichbare Ursache haben. Da ich natürlich kein Impaktexperte bin, möchte ich hier aber vorsichtig sein und mich nicht allzu sehr festlegen.


Während meiner Geländekampagne konnte ich auch einige Experimente durchführen, die die unterschiedlichen Rundungsgrade erklären konnten. Dazu verbrachte ich die scharfkantigen Bimse in eine einfache Vorrichtung zusammen mit anderen Geröllen, und versetzte die Vorrichtung in eine rotierende Bewegung. Leider führt dies auch zu einer recht hohen Geräuschentwicklung, was von anwesenden Badegästen schlecht toleriert wurde. Dennoch konnte man bereits nach etwa 5 Minuten eine deutliche Anrundung der Bimsproben beobachten.
Offensichtlich sind die Schwimmsteine wenig resistent gegen mechanische Beanspruchung. Warum also sind die Chiemsee-Exemplare so gut gerundet. Die Erklärung mag in der lokalen Geologie liegen: Während amOtterstedter See sandige Sedimente überwiegen, finden sich an den Chiemsee-Ufern reichlich Kiese und Grobkiese. Vermutlich liegt es also an den fehlenden “Mühlsteinen” die in Otterstedt die Bimssteine so eckig lassen.

Insgesamt also ein recht befriedigendes Ergebnis dieses kurzen Geländetages. Allerdings muss ich jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, entdecken, dass auf den Seiten der Chiemgau Impact Gemeinde Zweifel an der Deutbarkeit von bimsartigen Gesteinen geäußert werden. Deren intensive Nachforschungen haben jetzt ergeben, dass bei der Eisengewinnung in der Bergener Maxhütte Schlacken anfielen, die den Impaktbimsen zum Verwechseln ähnlich sind. Das erschwert nun die Impaktforschung erheblich und ich fürchte, ich muss auch für die Otterstedter Vorkommen zumindest eine Konvergenz mit anthropogenen Dings in Betracht ziehen.

Friday, November 11, 2011

Schwimmsteine im Märchenpark

Zu meiner großen Überraschung fand ich diesen Sommer im Märchenpark Marquartstein einige Exemplare der seltenen Schwimmsteine ausgestellt. Offenbar haben die Betreiber diese davor bewahrt, von Kinderhorden in den Tütten- oder Chiemsee geworfen zu werden.
Ein durchaus passendes Exil finde ich ;)


Monday, June 28, 2010

Die Schwimmsteine vom Tüttensee

Eigentlich wollte ich nicht näher auf den neuen Artikel von Ernstson eingehen, aber eine derart schräge Passage schreit förmlich danach aufgegriffen zu werden, nämlich die Geschichte von den Schwimmsteinen vom Tüttensee:

Ernstson et al. (2010) zeigen in ihrer Arbeit einige Bilder von dunklen, bimsartigen Steinen, die sie als Impakt-Schmelzgesteine deuten. Sie seien nach dem Einschlag durch die Aufschmelzung von Seesedimenten des Chiemsees entstanden.
Zu diesen Steinen präsentieren sie eine kuriose Geschichte: Vor 50 Jahren hätten Kinder sich einen Spaß daraus gemacht diese 'Schwimmsteine' ins Wasser zu werfen, um zu sehen, wie sie schwammen und darauf zu wetten welcher zuerst unterginge. Leider, leider sei dieses Spiel so überaus populär gewesen, dass man derlei Steine heute kaum mehr fände. Dieses Gestein sei zudem früher als Baumaterial für zahlreiche Bauernhäuser in der Umgebung verwendet worden.
Das stimmt, aber die Deutung dieses Materials als Impaktit ist völlig an den Haaren herbeigezogen. Dazu muss man wissen, dass in unmittelbarer Umgebung reiche Eisenerzvorkommen seit Jahrhunderten abgebaut und vor Ort verhüttet wurden. So war die Maxhütte in Bergen seit über 300 Jahren in Betrieb. Als Abfallprodukt der Eisengewinnung fiel natürlich eine große Menge ans Schlacke an. Diese Schlacke war in der Umgebung als preiswertes Baumaterial sehr beliebt und wurde auch in zahlreichen Bauernhöfen verbaut. Letztlich ist es wohl genau diese Schlacke, die die Autoren in ihrer Arbeit zeigen.

Ich mag die Geschichte von den Schwimmsteinen eigentlich wirklich! Ich kann als Chiemgauer Bub zudem bestätigen, dass dieses Spiel auch durchaus ein paar Jahrzehnte später noch bekannt war. Ja, ich war sozusagen mit verantwortlich dafür, dass diese der wissenschaftlichen Untersuchung entzogen wurden;) Allerdings kann ich mir heute durchaus sicher sein damals keine Impaktgesteine versenkt zu haben.