Saturday, April 3, 2010

Such den Chiemseekrater!

Viel Geheimniskrämerei wird zurzeit um den angeblichen Fund eines Einschlagkraters mitten im Chiemsee gemacht. Dieser Krater wird ja ziemlich dringend benötigt, da ja ansonsten erheblicher Erklärungsnotstand bezüglich der sogenannten Katastophenlage (Tsunami..) herrschen würde.

In der unsäglichen X:enius Sendung zum Thema Chiemgau-Impakt konnte man jüngst auf Arte CIRT Mitglieder bewundern, die eine Journalistin auf einem kleinen Boot direkt zum 'Fundort' fuhren und dort stolz am Sonargerät eine tiefe Stelle präsentierten. Zurück am Strand durfte ein CIRT Mitglied eine 3D Grafik, die die den Chiemseekrater zeigen sollte, in die Kamera halten. Diese Abbildung kann man auch auf einem Poster der Grabenstättaustellung zum Chiemgau Impakt sehen, die hier zum Download als pdf zu finden ist. Dort heisst es:
"SONAR-Echolotmessungen, die die CIRT-Forschergruppe zusammen mit der Chiemgauer Wasserwacht durchgeführt hat, zeigen am Boden des Chiemsees eine auffällige Struktur, die für den Boden eines eiszeitlichen Sees ganz untypisch ist. Die etwa 800x400m messende Struktur sieht wie ein Doppelkrater aus, der einen Ringwall besitzt."

Ich weiß ja nicht, was diese Leute für einen typischen 'eiszeitlichen' Seeboden halten. Offensichtlich waren sie aber doch überrascht, diese Senke zu finden. 800 m ist auch ganz schön groß! Ein Ringwall ist dort wohl nur mit zugekniffenem Auge und viel Phantasie zu entdecken. Wo der Krater denn nun sein soll wird natürlich nicht gezeigt.
Sei's drum.. Zum Osterfest möchte ich gerne diese Abbildung zeigen, die einen Teil des Reliefs des Chiemsees zeigt. Für ein paar Euro kann man sich diese beim Landesamt bestellen. Wie man sieht, ist der Chiemsee alles andere als eine flache Schüssel, sondern zeigt ordentlich Relief. Dort ist auch eine reichliche Anzahl an Kraterkandidaten in allen Größenordnungen zu finden, die ein bisschen wie Osternester versteckt in der Tiefe liegen.

Wednesday, March 17, 2010

Bohrungen des Landesamtes am Tüttensee

Das sehr gute Bodeninformationssystem vom Bayrischen Geologischen Landesamt (GLA) bietet einige hilfreiche Funktionen und eine Unmenge an Geodaten. Jedermann kann sich hier etwa 1:25000er geologische Karten anzeigen lassen. Diese Karte etwa, die ich mit freundlicher Genehmigung des GLA hier zeigen darf. Bemerkenswert sind hier besonders die 3 kleinen Bohrturmsymbole im östlichen, moorigen Bereich des Tüttensees.
Nachdem die Süddeutsche Zeitung letztes Jahr bereits über geplante Bohrungen des GLA in den Mooren des Tüttensees berichtete, hat das GLA letzten Herbst dort offenbar also eine Bohrkampagne durchgeführt. In der Bohrdatenbank des GLA sind bislang 3 Bohrungen erfasst, die einen Kerngewinn von bis zu 4 Metern erbrachten. Spannend werden jedenfalls die Ergebnisse der Auswertung dieser Kerne, insbesondere die zu erwartenden stratigrafischen Befunde.

Copyright des Kartenmaterials:

Geologische Karte 1:25.000:
(c) Bayerisches Landesamt für Umwelt, www.bis.bayern.de
Geobasisdaten: (c) Bayerische Vermessungsverwaltung

Sunday, February 28, 2010

Schöne Steine in Grabenstätt

Nach dem Spaziergang um den Tüttensee, hat uns die Neugier auch in die Impakt-Ausstellung in Grabenstätt getrieben. Kurz vor dem Ende der Öffnungszeit dort angekommen, ließ uns eine sehr freundliche Dame dennoch genug Zeit, um in Ruhe alle dort gezeigten Exponate zu bewundern.

In dem kleinen Ausstellungsraum finden sich einige Vitrinen, in denen man hauptsächlich Steine in verschiedenen Stadien der Verwitterung sehen kann. Dies wird von den Ausstellern entweder dem Einfluss von großer Hitze oder aber von Säure zugeschrieben. Daneben zeigt man dort auch Steine, die tief verwitterte Klüfte, angeblich entstanden durch Schockdeformation, aufweisen. Einer der Höhepunkte der Ausstellung ist die "hässliche Ente vom Tüttensee", auch ein lustig verwitterter Stein vom Tüttensee.

Man muss sagen, alle gezeigten Steine sind wirklich hübsch und mit großer Sorgfalt gereinigt worden. Damit sind die positiven Aspekte der Ausstellung auch schon ausreichen gewürdigt worden.

Der Großteil der Exponate stellt eine gewagte Ansammlung dreister Umdeutungen, etwa der besagten Verwitterungsformen dar: alles typische Merkmale eines Impaktes, wenn man den Ausstellungsmachern glauben will. Was natürlich Unsinn ist. Ähnlich verwitterte Steine könnte man wohl in jedem zweiten Vorgarten entlang des nördlichen Alpenrandes aufsammeln. Auch wenn man dann Gefahr läuft, ungewollt das Streufeld noch weiter auszudehnen;)

Die Ausstellung verließen wir jedenfalls nach anfänglichem Schmunzeln und Kopfschütteln mit einem seltsamen Fremdschämgefühl. Ein Apfelstrudel und ein Haferl Kaffee am Chiemsee halfen aber sehr.

Friday, February 19, 2010

Ein Spaziergang um den Tüttensee

Ich war kürzlich kurz in der alten Heimat und konnte meine liebe Frau überreden mit mir einen Spaziergang um den Tüttensee zu unternehmen. Eigentlich wollte ich auch die alten Kiesgruben im Westen und Norden besuchen um ein paar schöne Aufnahmen von den dortigen fluvioglazialen (Fluss, Gletscher) Sedimenten machen. Ich hatte im Sommer schon vor diesen wirklich schönen Schrägschichtungen gestanden, hatte aber keinen Fotoapparat dabei.

Nun habe ich mir wohl den ziemlich ungünstigsten Zeitpunkt ausgesucht, den man sich vorstellen kann, denn die Landschaft versank im tiefen Neuschnee. Ich musste festzustellen, dass eine dicke Schneeschicht alle Aufschlüsse bedeckte und man wirklich gar nichts sehen konnte - zumindest nicht ohne Schaufel.

Die Hügel die den Tüttensee säumen sind Kames bzw. Kamesterrassen. Diese entstehen beim Abschmelzen des Gletschers durch Anschüttung von fluviatilem Material in Gletscherdepressionen oder am Gletscherrand im Kontakt mit Talhängen. Neben der gut ausgeprägten Morphologie, also der Terrassenkanten, belegen die schräg geschichteten Kiese diese Prozesse sehr gut. Die Motivation daraus nun einen Kraterwall zu machen ist mir schleierhaft. Neben dem erwähnten Aufschluss zeigt die geologischen Karte (Blatt Prien) zehn zum großen Teil aufgelassene Kiesgruben, deren Abbauwürdigkeit spricht allein schon Bände.

Ich konnte den Tüttensee nun in winterlicher Pracht genießen, ein wirklich schöner Tiefschneespaziergang. Einen kleinen Einblick in den Untergrund offenbarte sich am Weg dann doch: Umgestürzte Bäume hatten schöne kleine Krater und prall gefüllte Wurzelstöcke hinterlassen. Eine Katastrophenschicht sozusagen;). Anbei ein Bild, das zwar keine sensationellen Enthüllungen gestattet, das Material zeugt aber durchaus von fluvioglazialen Prozessen. Bei Gelegenheit werde ich die Tüttensee Aufschlüsse noch mal bei besserer Witterung besuchen, dann kann ich hoffentlich mehr und aufschlussreichere Bilder zum Thema bieten.

Monday, February 1, 2010

Im Volltext: Der Chiemgau-Impakt - eine Spekulationsblase

Herr Darga hat freundlicherweise seinen Artikel zur Veröffentlichung im Internet freigegeben. Viel Spaß bei dieser hochinteressanten Lektüre!
Der Chiemgau-Impakt – eine Spekulationsblase Oder: Der Tüttensee ist KEIN Kometenkrater

Saturday, January 16, 2010

Schaudervoll hingegen war mir dieser Anblick...

Diesen wirklich schönen Text von Mathias Flurl, der in seinem 1792 erschienenen Werk 'Beschreibung der Gebirge von Baiern und der oberen Pfalz' nachzulesen ist, habe ich kürzlich gefunden. Wer würde sich heute noch trauen so- in einer wissenschaftlichen Abhandlung- zu schreiben? Er schreibt jedenfalls Folgendes über den Chiemsee:

Von Traunstein reiste ich über Seebruck nach dem grossen Chiemsee, um das Prachtvolle und Erhabene dieser Gegend näher und etwas ferner vom Gebirge zu besichtigen. Bezaubernd ist der Anblick, den man schon auf der Hochterasse über einen Berg herab nach Seebruck zu genießt, wo man in der Ferne über den grossen und weiten Spiegel des Sees die 2 Klöster, Herrn und Frauenwörth, ganz von Wasser umgeben auf ihren Inseln wie isolirt erblickt. Schaudervoll hingegen war mir dieser Anblick, als ich im stürmischen Ungewitter sein Wellen sich aufthürmen, und schäumend an die Ufer heranschlagen sah, und ihr fürchterliches Brausen und Getöse hörte.
Weh dem einsamen Schiffer, den ein solcher Sturm überfällt, er ist unwiederbringlich verlohren, denn wenn auch sein kleiner Kahn nicht an Klippen geworfen wird, die unter dem Weitsee bey Kieming am gefährlichsten sind; so steht er doch fast allezeit in der Gefahr von den Wellen zerschlagen zu werden; ja man erzählt hier Beyspiele, daß, wenn nach einem recht fürchterlichen Sturme ein solches unglückliches Schiffchen ans Land gebracht ward, die Leute darin oft an allen Gliedern zerschlagen und wie geradbrecht gefunden wurden.

Thursday, January 7, 2010

Der Chiemsee ist eine kometenfreie Zone

Meine Bibliothek war gut zu mir und so konnte ich heute endlich einen Blick in die schöne Arbeit von Ricarda Voigt (1995) werfen. Diese ist, abgesehen von einer älteren Arbeit aus dem Delta der Tiroler Ache von Xidas (1974) , soweit ich weiß, die einzige Untersuchung an Sedimentkernen aus dem Chiemsee.

Frau Voigt hatte die Gelegenheit sedimentologische und paläoklimatische Untersuchungen an Seesedimenten des Chiemsees vorzunehmen. Dazu lagen ihr zwei Schwerelot-Kerne aus den tiefen Bereichen des Sees vor. Kern CH83/12 stammt aus 72m und Kern CH83/24 aus 60 m Wassertiefe. Sie umfassen eine Länge von 8,20 m bzw. 10,20 m. Die genaue Lage der Kerne kann aus der Google Karte anbei entnommen werden.



Diese Informationen auf einer größeren Karte anzeigen


Zu beiden Kernen legt Voigt auch eine hervorragende Altersdatierung vor, demnach umfassen die Kerne insgesamt einen Zeitraum von über 12000 Jahren vor heute.
Besonders spannend sind die paläoklimatischen und pollenanalytischen Untersuchungen von Voigt und die daraus folgende Rekonstruktion der Besiedlungsgeschichte der Gegend um den Chiemsee. Dazu aber später mehr, zunächst möchte ich mich auf Impaktindikatoren in den Sedimentkernen beschränken.

Die Kometensucher des CIRT haben ja immer wieder einen Einschlag von Komentenfragmenten im Chiemsee postuliert. Flutwellen oder gar Tsunamis die an das Chiemsee-Ufer brandeten, sollen die katastrophale Folge gewesen sein.
Als Beleg werden vom CIRT die Furchensteine - fälschlicherweise als Regmaglypten gedeutet - am nördlichen Chiemsee-Ufer angeführt oder der ominöse "Katastrophen"-Horizont bei Stöttham siehe: http://www.chiemgau-impakt.de/archiv.html. (Zu Letzterem merkt Darga (2009) übrigens völlig korrekt an, dass diese Katastrophen-Brekzie als offenkundiges Konglomerat anzusprechen sei). Außerdem munkelt man von Sonarmessungen, die verdächtige Vertiefungen im Chiemseebecken erkennen ließen.

Die Arbeit von Voigt bietet die Möglichkeit, sozusagen an Ort und Zeit des Geschehens die These zu überprüfen. Um es wieder nicht allzu spannend zu machen:
Beide Kerne zeigen keinerlei Auffälligkeiten. Fast über die gesamte Kernlänge ist eintöniges, feinkörniges Seesediment beobachtet worden mit Sandanteilen von durchgehend < 1%, was für eine äußerst ruhiges Ablagerungsmilieu spricht.
Lediglich in den ältesten Kernbereichen wurde wenig grobkörniges Material gesichtet, was die frühnacheiszeitliche Entwicklung des Chiemsees widerspiegelt. Über die gesamte restliche Kernlänge konnte Voigt kaum gröberes Material finden, weder grobklastisches Sediment, noch nennenswerte Anteile von Holzkohlen oder anderen organischen Resten.

Vor allem aber konnte Voigt keine irgendwie exotische Lage im Sinne CIRT entdecken. Und dies bei einer engmaschigen Beprobung auch im vom CIRT neuerdings vorgeschlagenen Zeitraum von vor 2000-3000 Jahren.

Wer aber schon mal einen Blick auf einen Sedimentkern und daraus engmaschig gewonnenen Probenmaterials geworfen hat, der weiß, dass es praktisch unmöglich ist, so was wie eine Katastrophenlage ganz zu übersehen.

Nach der Richtigstellung der Furchensteine als biogene Erscheinungen, und des Katastrophen-Horizonts bei Stöttham als Kolluvium (Darga, 2009) fehlt am nördlichen Ufer jedes Indiz für ein Impaktereignis. Wie ich bereits in einem anderen Beitrag geschrieben habe, sind auch keine Impaktspuren in den südlichen Chiemseemooren in der fraglichen Zeit festzustellen. Nachdem sich nun selbst in Bohrungen aus dem Chiemsee keinerlei Hinweise auf ungewöhnliche Ereignisse finden lassen, muss man den Chiemsee wohl zweifellos als kometenfreie Zone betrachten.

Literatur:

Xidas, S (1974). Sedimentologische Untersuchungen im Delta der Tiroler Ache (Chiemsee/Oberbayern). Dissertationsschrift der TU München, 143 pp.

Voigt, R. (1995). Paläolimnologische und vegetationsgeschichtliche Untersuchungen an Sedimenten aus Fuschlsee und Chiemsee (Salzburg und Bayern), Dissertationes botanicae 270, 303 p.

Darga, R. (2009). Der Chiemgau-Impakt eine Spekulationsblase Oder: Der Tüttensee ist KEIN Kometenkrater. In: Auf den Spuren des Inn-Chiemsee-Gletschers, Ed. Darga & Wierer, Wanderungen in die Erdgeschichte 27